Samstag, 21. April 2012

Meine Buchrezension zu "Passwort: Henrietta" von Ava McCarthy

Die Einleitung:
Aufmerksame Leser meiner Buchrezensionen wissen, dass ich in der örtlichen Bücherei nicht am Regal mit den neuesten Büchern vorbei komme.
Wenn ich nicht gerade ein bestimmtes Buch suche, werde ich hier meist schnell fündig und decke mich mit reichlich Lektüre ein.
Das Tolle daran ist, dass ich viele der Bücher wahrscheinlich sonst gar nicht wahrgenommen hätte und ich so schon viele Schätze und mir bis dato unbekannte Autor/innen entdeckt habe.

Eines dieser Bücher ist “Passwort Henrietta“.

Die Autorin:
Ava McCarthy studierte Medizin und arbeitete an der Londoner Börse, bevor sie sich als Computerexpertin in Dublin einen Namen machte.
“Passwort Henrietta“ ist ihr erster Roman und der Auftakt zu einer spannenden Serie um die Hackerin Henrietta >>Harry<< Martinez.

Fakten zum Buch:
Das  gebundene Taschenbuch erschien im Mai 2009 beim Knaur-Verlag.
Der Originaltitel des Buches lautet „The Insider“.
Karl-Heinz Ebnet hat es aus dem Englischen übersetzt.
Es umfasst 480 Seiten und ist im Buchhandel für 14,95 Euro zu haben
Das Buch ist der Auftakt zu einer Serie um die Hackerin Henrietta Martinez.
Der zweite Band der Reihe trägt den Titel “Der Todeskurier“.
Ich hoffe, dass noch weitere Bände folgen werden!

Die Gestaltung des Buches:
Das Cover des Buches ist silbern und erweckt durch seine Gestaltung bei mir den Eindruck eines Aluminumkoffers.
Ganz oben steht in weißen Großbuchstaben der Name der Autorin.
Darunter sieht man eine aufgeprägte rote Motte mit ausgebreiteten Flügeln.
In großen schwarzen Druckbuchstaben steht dort Passwort und darunter mit ausladenden rotgefleckten Großbuchstaben Henrietta.
Auf der Rückseite des Buches findet man erneut den Titel des Buches, sowie eine kurze Inhaltsangabe, welche ich weiter unten wiedergeben werde.
Das Buch wird als das Spannungsdebüt des Jahres aus Irland beworben.
Klappt man das Buch auf, findet man als Beilage zwei längliche Papiere im gleichen Design wie das Cover des Buches.
Eines dieser Papiere enthält Informationen über die Autorin.
Das Andere beinhaltet eine etwas längere Zusammenfassung des Inhalts.
Die Motte, die auf dem Titelbild abgebildet ist, findet sich als Symbol für die einzelnen Kapitel im Buch wieder.
Meiner Meinung passt das Cover sehr gut zur Geschichte des Buches.
Es macht einen geheimnisvollen Eindruck und weckt Interesse am Buch.

Der Verlag über das Buch:
Das Leben macht keinen Spaß, wenn man nicht hin und wieder alles riskiert.

Nach diesem Satz lebt die junge Hackerin Henrietta sogar in ihrem Job als Sicherheitsexpertin für Computernetzwerke – bis
sie von einem Unbekannten auf die Gleise der einfahrenden Dubliner S-Bahn gestoßen wird.
In letzter Sekunde kann sie sich retten, doch die Nachricht,
die der Killer ihr im Gedränge zugeflüstert hat, setzt
einen tödlichen Wettlauf in Gang…

Die Geschichte und meine Meinung dazu:
Das Buch beginnt mitten im Berufsalltag von Henrietta >>Harry<< Martinez.
Sie ist seit 16 Jahren Hackerin und arbeitet undercover bei Lúbra Security, um für große Unternehmen Sicherheitslücken in deren Computersystemen aufzudecken.
Bei ihrem aktuellen Auftrag gibt sie sich blitzschnell als Catalina Diego, Leiterin eines Ausbildungsseminars für den Online-Support aus und verschafft sich so vor Ort brisante Informationen über eine Firma.
Sie ist schnell, effizient, glaubhaft und improvisiert in Sekunden.
Schon in frühen Jahren gelang es ihr geschickt, anderen Menschen brisante Details über sich zu entlocken, was ihr beruflich und privat immer wieder von Nutzen ist.
Mittendrin im spannenden aktuellen Auftrag wechselt die Perspektive zu Leon Rich.
Er hat eine geheimnisvolle E-Mail von einem gewissen Propheten erhalten und setzt nun Ralph, einen der weiteren drei Menschen, die etwas über den Propheten wissen, davon in Kenntnis.
Bei Leon Rich handelt es sich um eine gescheiterte Existenz.
Einst hatte er Millionen auf der Bank und eine prächtige Frau an seiner Seite.
Inzwischen ist seine zwanzigjährige Ehe vorbei, sein Ruf ruiniert und sein Bankkonto leer.
Er ist allein, nicht einmal sein Sohn Richard will etwas von ihm wissen und so ist aus ihm ein verwahrloster Zocker geworden.
Die E-Mail des Propheten hat ihn und Ralph in Angst und große Aufregung versetzt.
Die Rede ist davon, dass ein Mädchen etwas hat.
Wer ist dieser geheimnisvolle Prophet und was haben Leon und Ralph mit ihm zu tun?
Warum hat Leon alles verloren?

Was hat es mit dem Mädchen auf sich?

Weiter geht’s mit Harry und ihrem spannenden Berufsalltag.
Nach getaner Arbeit telefoniert sie mit ihrer Freundin Imogen Brady, die in der gleichen Firma arbeitet wie sie und mit ihr die Leidenschaft für das Hacken teilt.
Kurz darauf meldet sich ihr millionenschwerer Boss Dillon Fitzroy mit einem neuen Auftrag für sie, den Harry natürlich gleich annimmt.
Dort macht sie die Bekanntschaft von Felix Roche, der offenkundig seine Abscheu ihr gegenüber zur Schau stellt.
Sein Kollege Jude Tiernan versucht die Wogen zu glätten, doch die Stimmung bleibt spürbar feindselig.
Selbst der Vorstandsvorsitzende Ashford kann nicht vermitteln.
Felix Roches rüde Vorgehensweise hat etwas mit Harrys Vater zu tun, der im Knast sitzt und ich wüsste zu gerne warum.

Was hat Harrys Vater getan und warum ist Felix Roche so wütend auf ihn?

Nach ihrem aktuellen Auftrag läuft Harry völlig aufgewühlt durch die Gegend und beschließt, einen anderen Weg als den gewohnten Nachhauseweg einzuschlagen.
Diese Entscheidung wird sie noch bitter bereuen, denn ein Unbekannter stößt sie vor die Gleise einer einfahrenden Dubliner S-Bahn und flüstert ihr dabei den Satz:
“Das Sorohan-Geld, gibs dem Ring zurück!“ ins Ohr.

Als auf ihrem Konto plötzlich zwölf Millionen Euro auftauchen und bald darauf ebenso schnell spurlos wieder verschwinden, beginnt Harry ein gefährliches Spiel mit dem Propheten, der seinen unheimlichen Killer auf sie angesetzt hat.
Einen Killer, der das Spiel mit dem Feuer liebt und seinen Opfern gern beim Sterben zusieht.
Einen Killer, der Aufträge ausführt – ohne Gewissen und Moral, ohne Fragen zu stellen.
Der Prophet fordert die zwölf Millionen und gibt Henrietta dafür genau zwei Tage Zeit.
Um ihr Leben zu retten, muss Harry sich mit ihrem Vater auseinandersetzen und tief in ihrer Familiengeschichte graben.
Ihre Vorgeschichte als Hackerin, der Umstand, durch den sie Dillon kennen gelernt hat und ihre gemeinsamen Erlebnisse mit ihrem Vater sind hochinteressant und geben einen detaillierten Einblick in ein gespanntes  Vater-Tochter-Verhältnis.
Salvador Martinez ist ein passionierter Pokerspieler, ein gerissener Investmentbanker und seine Vaterrolle beschränkt sich oft nur darauf, die kleine Harry mit zu Pokerturnieren zu nehmen.
Das ist seine Art ihr seine Liebe zu zeigen, doch Harry bemerkt das nicht.
Salvador interessiert sich für ihre große Leidenschaft, das Hacken und begleitet sie zu einem für sie wichtigen Ereignis.
Von ihm lernt Harry viel fürs Leben und für das professionelle Pokerspiel, was ihr im Laufe des Buches mehr als ein Mal zu Gute kommt.
Zu ihrer Mutter hat Harry ein unterkühltes Verhältnis und ihre Schwester Amaranta überschüttet sie mit Neid und Vorwürfen.
In ihrer Not sucht sie Beistand bei Menschen, die verschiedener nicht sein könnten:
Ihr wohlhabender Chef Dillon; Ruth Woods, eine Reporterin, die eine große Story wittert; Jude Tiernan, ein schwer einschätzbarer Investmentbanker und nicht zuletzt ihr Vater Salvador Martinez, der im Gefängnis sitzt und zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte.
Unerwarteter Beistand kommt auch von Ashford, einem alten Freund von Harrys Vater.

Wem kann sie wirklich trauen?

Was weiß ihr Vater wirklich?

Wo ist das Geld geblieben?

Fragen über Fragen, auf die das Buch spannende und unkonventionelle Antworten gibt.
Harry ist eine ungewöhnliche Hauptfigur, mit versteckten Talenten und mutigen Ideen.
Um ihr Leben zu retten und das Geld zu finden, nimmt sie eine weite Reise auf sich, kommt in brenzlige Situationen und windet sich mit einem Pokerface und geschickten Schachzügen brilliant wieder heraus.
Das Buch bleibt von der ersten bis zur letzten Seite voller Spannung.
Voller Tempo jagt Harry von einer gefährlichen Situation zur nächsten und im Hintergrund läuft die Zeit unaufhaltsam.
Die Auflösung aller Zusammenhänge und natürlich der Identität des
Propheten hält zahlreiche Überraschungen bereit.
Das Ende ist unerwartet und voller unvorhersehbarer Wendungen.
Nun, als es schon fast zu spät ist, kann Harry zwischen Freund und Feind unterscheiden.
Einen Fehler jedoch kann sie nicht wieder gutmachen und ich habe geweint, als ich die Folgen davon las und die Zusammenhänge erkannte.

Mein Fazit:
Dieses Buch ist meiner Meinung ein Juwel unter den Thrillern und sollte verfilmt werden!
Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig.
Sie versteht es geschickt, Spannung aufzubauen und den Leser durch immer neue Wendungen zu verwirren.
Bis zum Schluss blieb mir die wahre Identität des Propheten verborgen und das gefällt mir.
Ich mag Bücher, bei denen der Täter nicht schon nach wenigen Seiten feststeht.
Das Buch bietet eine mitreißende Geschichte voller Missverständnisse und Geheimnisse.
Diese werden geschickt verwoben mit Informationen über das Pokerspiel, Investmentbanking und den Alltag einer Hackerin.
Ich fühle mich, als wäre ich mittendrin in Harrys Alltag und bekomme eine Ahnung davon, wie es ist, wenn man sein täglich Brot als Hacker verdient und welches Gefühl man hat, wenn man als versierter Zocker am Pokertisch sein Glück versucht.
So facettenreich wie die Karriere der Autorin ist, so reichhaltig ist auch ihr Buch.
Man merkt, dass sie Erfahrungen an der Londoner Börse gesammelt hat und dass man es bei ihr mit einer Computerexpertin zu tun hat.
Alle ihre Erklärungen fügen sich wunderbar in das Gesamtbild der Geschichte ein und sind auch für mich als Laien leicht nachvollziehbar.
Mit Harry hat sie eine interessante Identifikationsfigur geschaffen.
Sie war mir von Anfang an sympathisch.
Ihre Vergangenheit ließ mich mal schmunzeln, mal nachdenklich werden und besonders ihr Verhältnis zu ihrem Vater hat mich sehr beschäftigt.
Ich finde ihr Vorgehen faszinierend und fand es klasse, wie sie in den verzwicktesten Situationen einen originellen Lösungsweg fand.
Es ist unglaublich spannend und beängstigend zugleich, wie einfach sie mit Hilfe von frei zugänglichen Infoquellen Netzwerke auskundschaftet und in diese einbricht.
Ihr Verhältnis zu Dillon fand ich interessant.
Dieses Spiel von Nähe und Distanz.
Oft fragte ich mich, wieso die Beiden kein Paar sind.
Imogen blieb eher im Hintergrund, was ich etwas schade fand.
Sie spielte jedoch für die Geschichte keine tragende Rolle.
Harrys Mutter und ihre Schwester Amaranta waren mir eher unsympathisch.
Die Beiden hatten kein besonders liebevolles Verhältnis zu Harry und trotz dem, was sie durchgemacht hatten, hatte ich wenig Verständnis dafür.
Felix Roche, Jude Tiernan und Ashford waren wie der Großteil der Charaktere sehr facettenreich und boten viele Überraschungen.
Auch Harrys Vater ließ mich immer wieder sein Bild von ihm korrigieren.
Letztendlich muss ich sagen, dass es der Autorin wunderbar gelungen ist, Charaktere zu erschaffen, deren wahre Absichten und Gedanken man bis zuletzt nicht einschätzen kann.
Der Täter war für mich eine große Überraschung und was er in Zusammenhang mit dem Mörder gesagt hat, ließ es mir eiskalt den Rücken hinunterlaufen.
Die wahren Bösewichte bleiben eben oft unerkannt in unserer Gesellschaft…

Das Ende des Buches lässt in mir die Hoffnung aufkeimen, dass es eine Fortsetzung mit Harry geben wird und die gibt es tatsächlich!
Nachdem mich dieses Buch so sehr begeistert hat, werde ich
Der Todeskurier auf jeden Fall auch noch lesen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Aletheia.


 

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