Donnerstag, 23. August 2012

Hol der Henker eure beiden Häuser!

Einleitung:

Als ich in der Zeitschrift „Freundin“ von dem  Roman „Julia“ las, war ich fasziniert und wollte ihn unbedingt lesen.
Wie der Zufall es wollte fand ich das Buch wenige Wochen später bei den Neuerscheinungen der örtlichen Bücherei, sonst hätte ich es mir vermutlich gekauft.
Die tragische Liebesgeschichte von „Romeo und Julia“ hatte mich schon als Jugendliche fasziniert, daher war umso gespannter darauf, wie die Autorin die Thematik in ihrem Buch umsetzt.


Die Autorin:

Anne Fortier wuchs in Dänemark auf und studierte unter anderem in Paris, Oxford und Norwegen.
In Dänemark promovierte sie im Fach Ideengeschichte.
Nach Abschluss ihrer Doktorarbeit wanderte sie in die Vereinigten Staaten aus, wo sie ihren Mann Jonathan Fortier kennen lernte.
Sie arbeitete in unterschiedlichen Bereichen:
An verschiedenen Universitäten Europas und Nordamerikas übte sie eine Lehrtätigkeit im Bereich Philosophie und Europäische Geschichte aus, sie co-produzierte den preisgekrönten Dokumentarfilm „Fire and Ice: The Winter War Finnland und Russland“ und schrieb in Dänemark ihr erstes Buch mit dem Titel „Hyrder paa Bjerget“.

Diese Informationen habe ich aus den dem Buch beiliegenden Informationen über die Autorin und aus www.annefortier.com entnommen.

Fakten zum Buch:

Das gebundene Taschenbuch  erschien am 16. April 2010 beim Krüger Verlag.
Es umfasst 637 Seiten und ist im Buchhandel für 19,95 Euro zu haben.
Das englische Original trägt den Titel „Juliet“ und wurde von Anne Fortier geschrieben.
Die deutsche Ausgabe wurde von Birgit Moosmüller übersetzt.


Die Gestaltung des Buches:

Das umfangreiche Buch ist sehr schön gestaltet worden.
Auf dem Cover ist eine zeitlose Abbildung Sienas „Piazza del Campo“ zu sehen
Sobald man das Buch aufschlägt, blickt man  auf eine Kartengrafik von Thomas Vogelmann, welche sowohl Sienas Straßen, als auch die Wappen der jeweiligen Contraden darstellt.
Jeder im Buch beschriebene Stadtteil gehörte einer sogenannten Contrade und wurde mit deren jeweiligen Wappen versehen.
Durch diese Karte kann der Leser sehr gut nachvollziehen, in welchem Stadtviertel sich die Akteure des Buches in beiden Zeiten gerade befinden und was das dies für sie bedeutet.
Gleichzeitig werden auch die Standorte der in dem Buch erwähnten Gebäude aufgezeigt und zwar der Palazzo Tolomei, der „Duomo“ und der Palazzo Salimbeni.
Das Interessante daran ist, dass diese Gebäude auch in der Jetztzeit noch existieren.
Die letzten zwei Seiten des Buches zeigen einen Ausschnitt aus Ambrogio Lorenzettis Fresko von der „Guten und schlechten Regierung“ im Palazzo Publico Siena abgebildet.
Auf der Rückseite des Buches befindet sich eine kleine Inhaltsangabe auf dem Hintergrund eines historischen Pferderennens.
Meiner Meinung passt es sehr gut zu den im Buch beschriebenen Geschehnissen und ganz besonders natürlich zum Palio.
Der Palio ist ein Pferderennen, welches in Siena schon seit vielen Jahrhunderten Tradition hat und bis heute noch stattfindet.
Was mir bei der Gestaltung des Buches gefehlt hat, wäre eine kleines Lesbändchen, da das Buch doch recht umfangreich ist.
Ein Lesezeichen, falls vorhanden, tut es jedoch auch.


Der Verlag über das Buch:

Das Geheimnis eines alten Buches lockt die junge Amerikanerin Julia nach Italien:
Es ist die längst vergessene erste Fassung der Romeo- und-Julia-Geschichte, und es handelt von den verfeindeten Familien Tolomei und Salimbeni in Siena.
Völlig überrascht stößt Julia dabei auch auf die Warnung ihrer verstorbenen Mutter:
Bis heute liegt ein Fluch auf den Familien – und damit auch auf ihr.
Denn ihr wahrer Name ist Giulietta Tolomei.

Julia macht sich auf die Suche nach ihrem Erbe und spürt dabei bald, dass sie beobachtet und verfolgt wird.Während Siena dem Palio entgegenfiebert, gerät sie in höchste Gefahr.
Wird der Fluch der Vergangenheit auch sie einholen?
Dieser große Roman hat alles: zwei unsterbliche Liebesgeschichten in Mittelalter und
Gegenwart, ein gefährliches Geheimnis, Schatzsuche, Tempo und den ganzen Zauber
Italiens.


Die Geschichte und meine Meinung dazu:

Das Buch beginnt mit einem Zitat Shakespeares aus „Romeo und Julia“.
Danach schreibt Julia in einem Prolog in Ich-Form über ihr kurzes Ableben und ihre Meinung dazu.
Den Prolog habe ich zugegebenermaßen erst nach der Lektüre des Buches verstanden.
Zu Beginn des Buches hat mich der Prolog natürlich sehr neugierig gemacht und das mit Recht.

Die Kapitel des Buches beginnen jeweils mit einem Zitat Shakespeares und passen inhaltlich zu den Geschehnissen im Buch.
„O wehe, weh mir! Was für Blut befleckt die Steine hinter dieses Grabmals Schwelle?“heißt es zum Beispiel im ersten Kapitel.

So beginnt die Nacherzählung von Julia Jacobs.
In Ich-Form wird sie uns nun durch den Großteil des Buches begleiten und vor unseren Augen ihre unfassbare Geschichte offenbaren.
Eine Geschichte, welche vor über sechshundert Jahren ihren Anfang nahm und bei ihr endete.
Julia Jacobs entführt uns in ihre Welt:
Sie leitet in Virginia ein Shakespeare-Sommercamp, in dem sie Kindern und Jugendlichen die Werke des großen Dichters näher bringen möchte.
Schon seit frühester Kindheit war sie fasziniert von „Romeo und Julia“ und zitierte ständig Verse aus Shakespeares weltbekanntem Werk, daher lag es nahe, dass sie sich auch beruflich damit beschäftigen würde.
Ihre enthusiastische Arbeit im Sommercamp wird jäh gestört, als sie von dem Hausdiener ihrer Großtante Rose erfährt, dass diese verstorben ist und ihr einen geheimnisvollen Brief hinterlassen hat.
Im Strudel der nachfolgenden Ereignisse lernen wir  Janice, Julias Zwillingsschwester kennen und vor unserem geistigen Auge formt sich ein Bild zweier unterschiedlicher Schwestern, die im ständigen Konkurrenzkampf zueinander stehen.
Selbst nach dem Tode ihrer Großtante haben sie ihre Differenzen, so wundert es nicht, dass Julia allein nach Siena reist, wie ihr in dem Brief aufgetragen wird.
Ihr einiger Vertrauter ist dabei der bescheidene Hausdiener Umberto, der ihr offenbart, dass sie in Wahrheit Giulietta Tolomei heißt und die direkte Nachfahrin von der berühmten Julia ist.
Julia alias Giulietta macht sie auch die Reise und findet dabei sowohl neue Freunde, als auch Feinde.

Bei der Zwischenlandung in Frankfurt findet Julia eine charmante Reisebegleiterin namens Eva Maria Salimbeni, die selbst auf dem Weg nach Siena ist.
Dort ist gerade die Zeit des Palios, der an der Piazza del Campo stattfindet und statt wie früher von Edelleute nun von Jockeys bestritten wird.
Der Palio gehört zu Julias Geschichte dazu, ebenso wie viele andere Dinge in Siena.
Von Eva Maria  erfährt Julia sowohl vieles über Siena, als auch über sich selbst und ihre Wurzeln.
In Siena angekommen lernt Julia Allessandro, den Patensohn Eva Marias kennen und fragt sich unzählige Male, ob das alte Kriegsbeil zwischen den Familien Tolomei und Salimbeni nun endlich begraben ist oder ob sie auf der Hut sein muss.
Das Hotel Chuisarelli ist nun vorübergehend Julia alias Giuliettas neues Heim und von dort aus beginnt sie, die Stadt zu erkunden und ihr ihre Geheimnisse zu entlocken.
Nicht jeder nimmt sie mit offenen Armen auf und so gerät sie in einige brenzlige Situationen, in denen sie einmal mehr abwägen muss, wem sie wirklich vertrauen kann.
Giulietta findet einige Gegenstände, die nicht nur für sie, sondern auch für andere Menschen von großem Wert sind und aus ihrer Suche nach dem Schatz wird eine Suche nach sich selbst.
Während ihrem Aufenthalt liest sie die Erstfassung von „Romeo und Julia“ und versucht aus den Notizen ihrer Mutter schlau zu werden.
Das Tagebuch eines Malers aus dem 13. Jahrhundert erzählt ihr die wahre Geschichte von „Romeo und Julia“ und mehr und mehr erkennt sie die Paralellen.
Niemand ist wer er zu sein scheint und die Fronten verdichten sich.
Ein geheimnisvoller Verfolger in Jogginganzug und Turnschuhen, ein seltsamer Beobachter auf einem schwarzen Motorrad, zwielichtige Verwandte, eine alte Gemeinschaft von Mönchen und ein verwirrter Maler sind nur einige Personen, die Giulietta in Siena Kopfzerbrechen bereiten.
Auf der Suche nach den Artefakten ihrer Familie gerät sie ständig in Gefahr und bekommt überraschende Hilfe.
In all dem Trubel verliebt die Schöne sich auch noch und weiß bald gar nicht mehr, wo ihr der Kopf steht.
In einem grandiosen, filmreifen Finale gipfelt die Geschichte von Julia/Giulietta und ihrem  neuzeitlichen Romeo.
Es ist vom Allem etwas dabei:
Witz, Charme, Erotik, Spannung und natürlich Romantik.
Von Anfang an litt ich mit Julia mit und fieberte dem spannenden Ende des Romans und gleichzeitig der Auflösung der verworrenen Verhältnisse entgegen.

Parallel zu Julia Jacobs Geschichte fließt immer wieder die Geschichte von Giulietta Tolomei und Romeo Marescotti ein.
Sie beginnt in Siena, im Jahre 1340 und ist atemberaubend spannend, aber auch sehr traurig.
In einem mittelalterlichen Siena ist ein Mönch mit einem Sarg auf dem Weg zu Messer Tolomei, Giuliettas Onkel.
Giulietta ist die einzige Überlebende eines Massakers in einem Haus ihrer Familie und hält per Brief Kontakt zu ihrer Zwillingsschwester Giannozza.
Außer sich vor Wut und Rachsucht wird sie unvorsichtig und verliebt sich unsterblich in Romeo.
Ihre atemberaubende Schönheit wird Giulietta zum Verhängnis und so kommt es, dass das Schicksal andere Pläne mit den Liebenden hat.
Die historische Fassung der Geschichte steht der neuzeitlichen Version in nichts nach.
Intriganter Adel, komplizierte Verwandtschafts- und Herrschaftsverhältnisse, ein habgieriger, despotischer Mann und ein alter Fluch verdichten sich zu einem dramatischen und sehr temporeichen Ende, was über alle Zeiten hinaus in der Jetztzeit für Julia Jacobs und ihre Verwandten widerhallt.
Nun ist es an ihr, den Fluch aufzuheben und ihr Glück zu finden.

Kann sie den Fluch brechen und die vor langer Zeit begangenen Fehler sühnen?
Wird es ein Happy End für Giulietta und ihren Romeo geben?


Mein Fazit:Das Buch ist so fesselnd und spannend geschrieben, dass ich es ungern aus der Hand legen wollte.
Die Autorin schreibt sehr flüssig und detailliert, wodurch man sich gedanklich und gefühlsmäßig schnell im Siena der vergangenen Jahrhunderte befindet.
Beide Geschichten haben einen immensen Reiz und ich war trotz der Zeitsprünge immer mittendrin.
Die Stadtgeschichte Sienas, die Contraden, der Palio- all dies faszinierte mich und weckte in mir den Wunsch, nach Siena zu reisen, um alles mit eigenen Augen zu sehn.
Dies haben sowohl die Autorin, als auch ihre Mutter Birgit Malling Eriksen getan, wie man im Nachwort erfährt.
In dem Buch stecken sowohl sehr viel Recherche, als auch dichterische Freiheit.
Die dargestellten Personen haben meistens einen äußerst facettenreichen Charakter und sehr oft war ich überrascht über ihre wahren Absichten und Motive.
Durch die Erzählung in der Ich-Perspektive konnte ich das Denken und Handeln beider Julias gut nachvollziehen und fieberte dadurch umso mehr mit.
Sehr reizvoll fand ich auch die sich wiederholenden Charaktere in beiden Geschichten z.B. den leicht verwirrten Maler, dem immer wieder eine Schlüsselrolle zukam.
Toll finde ich auch die einzelnen Textzeilen aus Shakespeares „Romeo und Julia“.
Wer dessen Fassung der Geschichte kennt, kann anhand der Zitate zumindest schon mal erahnen, um was es im jeweiligen Kapitel gehen könnte.
Dies tut der Spannung und Lesefreude jedoch keinen Abbruch.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen.
Ich habe dabei einige interessanten Dinge über Siena erfahren, konnte über einen möglichen anderen Hintergrund von „Romeo und Julia“ nachdenken, habe gelacht, teilweise (besonders beim Ende) sogar geweint und bin vollkommen zufrieden.
Der Preis für das Buch ist vollkommen gerechtfertigt.
Meinen Bericht schließe ich ausnahmsweise mit zwei Wünschen:
Ich wünsche mir eine Verfilmung des Buches und mehr deutschsprachige Bücher der Autorin.


P.S.:

Der Titel meiner Rezension ist ein Teil des Fluches aus dem Buch:

Hol der Henker eure beiden Häuser
Ihr alle sollt sterben in Feuer und Blut
Eure Kinder heulen auf ewig unter einem irren Mond
Bis eure Sünden ihr sühnt und vor der Jungfrau niederkniet
Und Giulietta erwacht und ihren Romeo wiedersieht.







1 Kommentar:

  1. Ich habe das Buch auch hier liegen. Nun freue ich mich richtig darauf es zu lesen. GLG

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