Donnerstag, 15. November 2012

Rezension zu "Allerliebste Schwester" von Wiebke Lorenz

Einleitung:

Das Buch stand bei den Neuerscheinungen in der Bücherei und zog mich magisch an.
Die giftgrüne, blutige Apfelhälfte auf schwarzen Hintergrund auf dem Cover weckte sofort mein Interesse und als ich die Inhaltsangabe las, musste ich das Buch einfach mitnehmen.
Bei Amazon gibt es sogar ein kurzes Video zum Buch.


Die Autorin:

Manche von euch kennen die Autorin besser als „Anne Hertz“.
Unter diesem Pseudonym schreibt sie mit ihrer Schwester Frauke Scheunemann.
Wenn sie nicht gerade an einem Buch schreibt, arbeitet sie für Zeitschriften wie „Cosmopolitan“ oder schreibt Drehbücher für TV- Filme.
Sie wurde 1972 in Düsseldorf geboren und lebt heute in Hamburg.


Fakten zum Buch:

Das gebundene Taschenbuch umfasst 240 Seiten und erschien am 15.März 2010 beim Karl Blessing Verlag.
Im Buchhandel ist es für 16,95 Euro zu haben und diesen Preis allemal wert.


Der Verlag über das Buch:

Was ist passiert in jener Nacht, in der Evas Zwillingsschwester starb?
Eva weiß es nicht.

Sie weiß nur, dass sie nicht ans Telefon ging, als Marlene versuchte,
sie zu erreichen.
Als ihre Schwester ihr vielleicht sagen wollte, weshalb das Leben für sie auf einmal sinnlos geworden war.
Seitdem wird Eva von Schulgefühlen geplagt, so sehr, dass sie sogar Tobias heiratet, den Mann, der verstorbenen Marlene.

Sie versucht es aufrecht zu erhalten, dieses fragile, bröckelnde Leben,
flüchtet an der Seite von Tobias in die scheinbare Normalität.
Bis zu dem Tag, an dem Eva ihr gemeinsames Kind verliert-
da bricht es zusammen, das mühsam errichtete Kartenhaus einer heilen Welt.
So öffnen sich die Abgründe zu Evas Vergangenheit, die sie so lange und
verzweifelt zu ignorieren versuchte.
Und in deren Mittelpunkt ein schreckliches Geheimnis steht.


Ein Psychodrama mit hohem Niveau.

Die Story und meine Meinung dazu:

Drei Jahre ist es her, dass Eva ihre Zwillingsschwester Marlene verlor.
Drei Jahre und die quälende Frage nach dem Warum.
Warum hat sich Marlene an einem Maitag vor einen Zug geworfen?
Was wollte sie ihrer Schwester kurz zuvor am Telefon sagen?
Eva geht einen ungewöhnlichen Weg der Trauer:
Sie nimmt Marlenes Stelle in einer kleinen Buchhandlung an, heiratet deren Mann Tobias und gibt ihre große Leidenschaft Musik dafür auf, das Leben der toten Schwester weiter zu leben.
Zuerst war ich befremdet von diesem Schritt und fragte mich eins ums andere warum sie so etwas Ungewöhnliches tat.
Doch nach und nach entblätterte sich vor mir eine Geschichte zweier Schwestern, die zwar Zwillinge waren und doch unterschiedlicher nicht sein konnten.
Die brave, kluge Marlene gab ihr Studium als Ärztin zugunsten einer Ehe mit Tobias auf.
Die Ehe stand jedoch unter keinem guten Stern, da Marlene einfach nicht schwanger werden konnte.
Eva hingegen floh schon früh aus dem gewalttätigen Elternhaus und suchte ihr Glück in den Armen von den verschiedensten Männern.
Ihre große Passionen waren das Pianospiel und der Gesang und ihr Erfolg führte die Schwestern wenn auch nur kurz wieder zusammen.

Nun ist Marlene also tot und Eva mehr und mehr ein Schatten ihrer selbst.
Sie liebt Tobias nicht, Schuldgefühle binden sie an ihn und irgendwann erfährt man Stück für Stück, warum Eva sich selbst so sehr bestraft.
Man lernt Evas Umgebung kennen, ihre Chefin, den geheimnisvollen vertrauten Fremden aus der Buchhandlung, Evas Eltern und ihre Schwiegereltern.
Besonders den Schwiegervater empfand ich als sehr voreilig und eher unangenehm.
Evas Eltern hätte ich nach der Beschreibung in dem Buch auch nicht kennen lernen wollen, da Eva keine schöne Kindheit hatte und sehr unter den Schikanen ihrer anspruchsvollen Eltern litt.
Tobias erschien mir zuerst als der trauernde Witwer und liebende Ehemann.
Umso geschockter war ich, als ich neue, unangenehme Seiten an ihm entdeckte, wie den ständigen Drang ein Kind zu zeugen und seine Frau zu unterdrücken und sie in ein von ihm ausgesuchtes Leben zu zwingen.

Die Geschichte im Buch pendelt zwischen Vergangenheit und Gegenwart umher, sodass man nach unc nach immer mehr Einblicke in das Leben der Zwillinge bekommt.
In der Gegenwart wird diee kurze Freude um Evas plötzliches Mutterglück  getrübt, als das Kind sich als Totgeburt erweist.
Eva fängt an zu halluzinieren. Sie spricht mit der toten Marlene und gerät für ihre Umstehenden mehr und mehr aus dem Gleichgewicht.
Aus meiner Sicht findet sie jedoch stärker zu sich, als sie es vorher je konnte.
Sie geht einen unbequemen Weg, wird als krank eingestuft und ruhig gestellt.
Zum Schluss jedoch bricht sie aus einem Leben aus, das eine Lüge ist, findet für einen Moment eine neue Liebe, neues Leben und verwirklicht sich selbst.


Mein Fazit:

Zuerst war ich irritiert über die Seitenzahl des Buches und erwartete eine kurze, aber oberflächliche Geschichte.
Umso erfreuter war ich, als ich das Buch zu Ende gelesen hatte
Ich brauchte eine Weile, um das Gelesene zu verdauen.
Es mag zwar wenig Text sein, aber der Inhalt des Buches ist sehr tiefgründig und ergreifend.
So sehr, dass er noch lange nach wirkt und die Frage an einen selbst aufwirft, ob man sein Leben so leben will, wie man es gerade tut.
Das Buch ist eine eindrückliche Momentaufnahme einer Tragödie.
Zwei Schwestern, die sich auseinander gelebt haben und durch den Tod getrennt werden.
Evas Charakter und ihr Weg zu sich selbst ist sehr emotional und mutig.
Ich war sofort mitten drin und las begierig weiter bis zum Schluss des Buches, in dem Marlene in einem Nachtrag über den tatsächlichen Hergang ihres Todes berichtet.
Atemlos stehe ich da und denke über dieses Familienporträt nach, in dem die vermeintlich Kranke wesentlich gesünder als der Rest der Familie ist.
Ich bin froh darüber das Eva den Absprung ins Alleinsein schafft und ein neues, selbst bestimmtes Leben beginnt.
Dem Buch merkt man an, dass die Autorin Germanistik studiert hat.
Von Anfang an vermag sie den Leser und zieht die Spannung scheinbar ins Endlose.
Sehr schön finde ich die Geschichte hinter dem Buchtitel „Allerliebste Schwester“.
Die Autorin nimmt in ihrem Buch oft Bezug auf das Buch „Allerliebste Schwester“ von Astrid Lindgren.
Diese Geschichte handelt von dem jungen Mädchen Barbro, sie sich von den Eltern ungeliebt fühlt und sich einen Hund als Haustier wünscht.
Neben dem Rosenbusch im Garten der Familie  befindet sich ein Loch und dort findet Barbro in einer Traumwelt ihre Zwillingsschwester Yvla-Li.
Mit ihr verbringt sie eine schöne Zeit, bis Ylva-Li ihr sagt, dass sie sterben wird, wenn der Rosenbusch blüht.
Yvla-Li ist fort, doch nun wird sie nie mehr alleine sein, denn ihr Wunsch wurde erfüllt.
Als Eva noch ein junges Mädchen war, hatte Marlene ihr immer diese Geschichte vorgelesen und seitdem glaubte Eva an die Unzertrennlichkeit der Schwestern.
Alles in allem bin ich schwer beeindruckt von dem Buch von Wiebke Lorenz und kann es nur weiterempfehlen!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Aletheia

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