Sonntag, 27. Januar 2013

Rezension zu "Harpyienblut" von Daniela Ohms


Die Einleitung:

Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich las, dass zwei Exemplare des Fantasydebüts „Harpyienblut“ der Autorin Daniela Ohms als Wanderbücher zur Verfügung gestellt werden und es dafür noch freie Plätze gab.
Begleitend zur Wanderbuchrunde stand uns die Autorin Frage und Antwort, was mir sehr viel Freude bereitet hat.

Die Autorin:

Daniela Ohms wurde 1978 in Nordrhein-Westfalen geboren, wo sie auf einem Bauernhof aufwuchs.
Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Berlin-Kreuzberg.
Wenngleich ihre wahre Leidenschaft seit jeher der Urban Fantasy gilt, ergatterte sie 2010 den zweiten Platz des Agatha-Christie-Krimipreises.
Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet sie als Lektorin in einer Literaturagentur.
Unter www.daniela-ohms.de erfahrt ihr mehr über die Autorin und ihre Werke.
Im Januar 2013 erschien ihr neuestes Buch „Der geheime Name“ unter dem Pseudonym Daniela Winterfeld.
Dieser Name ist ein Pseudonym der Autorin Daniela Ohms, die im Frühling 2012 mit „Harpyienblut“ ihr Romandebüt gegeben hat.
Unter ihrem bürgerlichen Namen schreibt die Autorin Jugendfantasy.
Unter dem Pseudonym Daniela Winterfeld erscheinen ab Januar 2013 ihre Fantasybücher im Erwachsenenbereich.

Fakten zum Buch:

Das gebundene Taschenbuch erschien im März 2012 bei Schwarzkopf & Schwarzkopf.
Das Buch umfasst 448 Seiten und ist im Buchhandel für 16,95 Euro zu haben.

Die Gestaltung des Buches:

Das Cover des gebundenen Taschenbuches wurde in dunklen Farbtönen gestaltet.
Im Zentrum des Covers sieht man ein rosafarbenes Ei, dessen Schale in der Mitte zerbrochen ist.
Drei Finger einer kleinen Menschenhand schauen daraus heraus.
Das Ei befindet sich in einer Art Nest.
Um es herum sieht man einen grauen Nachthimmel und viele dunkle Blätter.
Über diesem Bild steht in weißen Buchstaben der Name der Autorin.
Unter dem Bild steht in großen weißen Druckbuchstaben der Titel des Buches.
Die Rückseite des Buches zeigt einen grauen Nachthimmel und viele dunkle Blätter, in deren Mitte man den Klappentext in Form eines Eis findet.
Mir gefällt die Gestaltung des Buches sehr gut.
Die düsteren Farben passen sehr gut zur Geschichte und mit dem Harpyienei auf dem Cover wurde ein Bild aus dem Prolog gewählt.
Sehr schön finde ich auch die passende Gestaltung der
Buchrückseite und die Schwarz-Weiß-Zeichnung des jungen
Harpyienmädchens.

Der Verlag über das Buch:

Anders als viele andere Teenager verbirgt Lucie ihren Körper
nicht aus Scham, sondern weil sie Angst hat, dass es sie ihr
Leben kostet, wenn jemand von ihrem Geheimnis erfährt:
Die 18-Jährige besitzt Flügel, die aussehen wie die eines
Raubvogels.
Was für ein Wesen sie ist und woher sie stammt, hat sie bisher jedoch nicht herausfinden können.
Aber der finstere Sergej aus ihrem Volleyballverein weiß mehr.
Und auch der unheimliche Junge mit den Schmetterlingsflügeln, der sie nachts beobachtet, kennt Lucies wahre Bestimmung:
Sie soll die Seelen toter Kinder durchs Jenseits begleiten.
Als Lucie schließlich gezwungen ist, sich ihrer grausigen Aufgabe zu stellen, muss sie fürchten, nun bald kein Mensch mehr zu sein…

Die Geschichte und meine Meinung dazu:

Ich schlage das Buch auf und betrachte die schöne Schwarz-Weiß-Zeichnung der geflügelten Lucie, dann beginne ich damit, den Prolog zu lesen.
Er führt mich in eine kleine Wurzelhöhle mitten im Wald.
Aasgestank erfüllt die Luft und in seiner Mitte befindet sich eine Braut des Windes.

Sie wärmt ihr Ei und das nun schon seit fast neun Monaten.
Sofort muss ich an ein menschliches Baby denken und frage mich, wie lange es wohl dauert, bis ein Vogeljunges ausgebrütet wird.
Die jahrtausende alte Braut des Windes unterdrückt jeden Laut, um das Kind nicht auf ihre Stimme zu prägen.

Sie würde es gerne bei sich behalten und mit in den Schwarm nehmen, doch das wäre sein sicherer Tod, denn die Todesharpyien würden das Kleine töten.
Es ist ein Mischblut, nur zur Hälfte von ihrer Art.
Die Vogelmutter möchte ihr Kind in die Obhut einer Frau namens Maria geben, die in einem Haus am Waldrand wohnt.
Das Kind soll auf die andere Mutter geprägt werden, um zu überleben.
Mir tut die Braut des Windes Leid.

Sie führt ein Leben ohne Liebe und muss ihr eigenes Kind von sich fernhalten, um es nicht zu gefährden.
Die Vogelmutter lässt ihr Kind voller Schmerz im Wald zurück und wagt es nicht einmal, es anzusehen.
Maria findet das Ei, aus dem das Baby schlüpft im Wald.
Sie nimmt das geflügelte Baby zu sich und zieht es wie ihr eigenes Kind auf.

Ich frage mich, was aus der Vogelmutter geworden ist und bewundere Maria für ihre Selbstlosigkeit.
Nach dem aufwühlenden Prolog beginnt nun die eigentliche Geschichte.
Ich lerne die 18-jährige Schülerin Lucie kennen, die mit ihrer besten Freundin Emilia an einem Volleyballturnier teilnimmt.
Beide Mädchen verbindet eine tiefe Freundschaft und jede von ihnen ist voller Träume und Sehnsüchte.
Sie sind eingebunden in ihre Familien und in das Leben als Schülerinnen, doch ihre Schicksale heben sich von denen ihrer Altersgenossinnen ab.
Emilia hat große Pläne für die Zukunft und zählt dabei auf Lucie.
Nicht einmal sie weiß die Wahrheit über Lucie.
Lucie verfügt über einige ganz besondere Fähigkeiten und mir wird schnell klar, dass sie das inzwischen erwachsene Mädchen aus dem Prolog ist.
Ihre Fähigkeiten bringen Lucie zwar viele Vorteile, doch sie muss vorsichtig sein.
Nicht auszudenken was passieren würde, wenn ihre Flügel sich tatsächlich entfalten würden oder jemandem auffällt, wie hoch Lucie wirklich springen kann.

Was für ein Wesen sie eigentlich ist, weiß Lucie zunächst selbst nicht.
Sie weiß nur, dass sie ihre Flügel und ihre Fähigkeiten um jeden Preis geheim halten muss und dafür erfindet sie die abenteuerlichsten Lügengeschichten.
Lucie hat aufgrund ihrer Andersartigkeit eine entbehrungsreiche Kindheit hinter sich und auch Marita hat es nicht leicht.
Marita tat mir oftmals ziemlich Leid und ich hätte mir gewünscht, dass sie aus ihrer auswegslosen Situation entfliehen könnte.
Niemand scheint etwas über Lucies wahre Herkunft zu wissen,
außer dem düsteren Sergej, zu dem Lucie sich auf seltsame Weise hingezogen fühlt.
Im weiteren Verlauf der Geschichte lerne ich Jean, den Schmetterlingsmann kennen, der Lucie pausenlos beobachtet.
Er weiß einiges über Lucie und war mir anfangs ziemlich suspekt.
Lucie fühlt sich auch von ihm angezogen, hat aber gleichzeitig Angst vor ihm.
Ist er Freund oder Feind?
Was für ein Wesen ist er und welche Absichten hat er mit Lucie?
Lucie verwandelt sich nach und nach immer mehr und muss schließlich ihrer Bestimmung folgen.
Die Seelen toter Kinder ins Jenseits zu begleiten ist eine Aufgabe, an der sie fast zerbricht.
Ihr Körper verändert sich, ihr Charakter ebenso und mehr als ein Mal legt sie Verhaltensweisen an den Tag, die für Umstehende erschreckend sein müssen.
Ein Glück, dass sie Freunde wie Emilia und Sergej hat, die alles in ihrer Macht stehende tun, um ihr zu helfen.
Emilia hat selbst kein einfaches Schicksal.
Sie erlebt ihren persönlichen Albtraum und entgleitet Lucie immer mehr.
Mit Hilfe ihrer Freunde begibt sich Lucie auf die Spur der Geschichte der Harpyien und erfährt so einiges über Hungerharpyien, Todesharpyien, Harpyien mit und ohne Seele und andere Wesen.
Als eine große Gefahr droht, wird die Freundschaft der drei auf eine harte Probe gestellt.

Werden sie der Gefahr trotzen?

Mein Fazit:

Geschichten über Vampire, Dämonen, Engel, Hexen usw. gibt es wie Sand am Meer, doch eine Geschichte über Harpyien ist mir vor „Harpyienblut“ bisher noch nie untergekommen.
Der Debütroman der Autorin Daniela Ohms ist nicht nur thematisch erfrischend anders als andere Bücher aus dem Genre, sondern auch was die Wahl seiner Protagonistin angeht.
Lucie ist kein hilfsbedürftiges weibliches Wesen, welches gerettet werden muss, sondern eine vielschichtige junge Frau voller Geheimnisse und Überraschungen.
Ihre Fähigkeiten sind ungewöhnlich und die körperlichen Auswirkungen ihrer Andersartigkeit wurden gut gewählt und erklärt.
Ihr Los ist kein einfaches und zum Glück hat sie mit Emilia und Sergej richtige Freunde an ihrer Seite, die für sie durch die Hölle gehen würden.
Lucie ist ein sehr interessanter Charakter und ich konnte es kaum erwarten, mehr über sie zu erfahren.
Ich war schnell mittendrin in ihrer Gedanken- und Gefühlswelt und war fasziniert von ihren Fähigkeiten.
Die Autorin beschreibt sehr anschaulich, wie sehr Lucie ihre Aufgabe mitnimmt und wie auch ihr Umfeld und ihre Freunde darunter leiden.
Sie lässt ihre Protagonisten ungewöhnliche Wege gehen und nimmt den Leser damit mit auf einen Streifzug durch Berlin und Umgebung.
Auch die Liebe und die Erotik kommen in diesem Buch keineswegs zu kurz.
Es bahnen sich mehrere zarte Bande an, doch auch diese sind nicht einfach gestrickt, sondern erstmal ziemlich verstrickt und sehr emotional.
Auch die Freundschaft ist in diesem Buch ein großes Thema.
Lucie und Emilia bilden anfangs eine Einheit, doch Geheimnisse und Veränderungen stellen das gegenseitige Vertrauen auf eine harte Probe.
Sergej ist zunächst einmal der merkwürdige, düstere Beobachter, der durch seine wie zufällig gewählten Sprüche und seine undurchsichtige Art eine düstere Aura der Bedrohung verstrahlt.
Nach und nach bekommt sein Charakter mehr Substanz und er wächst mir ziemlich schnell ans Herz.
Er hatte eine traurige Kindheit, ist unglücklich verliebt und das Leben meint es noch oft nicht gut mit ihm.
Viele Male leide ich mit ihm.
Sergej ist für einige Überraschungen gut.

Er studiert und ist sehr belesen.
Regale voller Bücher in verschiedenen Sprachen machen den Großteil seiner Wohnung aus.
Solche Männer gefallen mir!

Emilia ist ein interessanter Charakter, voller Überraschungen und emotionaler Tiefe.
Sie hat kein einfaches Leben, muss viel erdulden und ist trotzdem so stark.
Es gab Momente im Buch, als ich Lucie nahezu verabscheute und Emilia hingegen alles Glück der Welt gönnte.
Dann gibt es da noch Jean, den geheimnisvollen Schmetterlingsmann.
Was ihn angeht hat die Autorin ganze Arbeit geleistet.
Zunächst einmal war er mir unheimlich und wenig sympathisch.
Das Wissen über ihn setzte ich wie Puzzleteilchen zusammen und konnte mich doch nicht entscheiden, wie das Ganze am Ende aussehen sollte.
War er Freund oder Feind?
Bruder, Vater oder Monster?
Zu erfahren, wie Lucie, Jean, Emilia und Sergej am Ende miteinander verbunden sind, war für mich eine große Überraschung, die aber auch manches damit erklärbar machte.
Über all den Irrungen und Wirrungen hingen immer Gefahr und Tod wie eine stumme Drohung und ließen die Spannung gar nicht mehr nachlassen.
Durch geschickt in die Geschichte eingefädelte Details wurden mir als Leserin die Harpyien und ihre verschiedenen Unterformen näher gebracht.
Die Figuren in dem Buch beschäftigten sich jedoch nicht nur mit der Mythologie, sondern auch mit moralischen und philosophischen Fragen rund um die Themen Tod und Wiedergeburt.
Das Buch räumt mit Vorurteilen über Marzahn und Russlanddeutsche auf und erinnert nachdrücklich an die Missetaten der Nazis, welche mehrfach in dem Buch Erwähnung finden.

Die wechselnden Erzählperspektiven führten dazu, dass ich mir von Emilia, Lucie, Sergej und Jean ein genaues Bild machen kann und so ihr Denken und Handeln besser nachvollziehen konnte.
Es fiel mir schwer das Buch aus der Hand zu legen, denn einmal in der Geschichte drin, lässt sie einen nicht wieder los.
Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit den jeweiligen Pärchen weitergeht und ob sie es schaffen, der nahenden Bedrohung durch die Todesharpyien zu entgehen.
Immer wieder gab es neue Entwicklungen, neue Geheimnisse wurden und enthüllt und Zufälle, die vielleicht gar keine waren.
Das Ende war spannend bis zur letzten Seite und ließ für mich keine Fragen offen, außer die nach einer möglichen Fortsetzung.
Mit „Harpyienblut“ ist der Autorin ein wunderbar tiefsinniges, düster-melancholisches Meisterwerk gelungen und ich bin schon sehr gespannt auf ihre weiteren Werke.


Viel Spaß beim Lesen wünscht Aletheia.

Kommentare:

  1. Super Rezi! Dieses Buch steht ganz oben auf meiner Wunschliste! Ich muss mir das Buch unbedingt zulegen.

    LG
    Anja

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