Dienstag, 5. November 2013

Meine Rezension zu "Vollendet" von Neal Shusterman


Die Einleitung:

Ich habe „Vollendet“ im Rahmen einer Wanderbuchrunde gelesen.
Bevor ich das Buch gelesen habe, kannte ich den Autor Neal Shusterman noch nicht.
Sein Buch hat mir so gut gefallen, dass ich es kaum erwarten kann, den zweiten Band „Vollendet – Der Aufstand“ in den Händen zu halten und endlich zu erfahren, wie die Geschichte weiter geht.


Der Autor:
Neal Shusterman hat zahlreiche Romane für junge Erwachsene geschrieben, außerdem Drehbücher für Spielfilme und Fernsehserien verfasst, darunter Animorphs und Gänsehaut.
Neal Shusterman ist Vater von vier Kindern und lebt in Südkalifornien.

Fakten zum Buch:

Das gebundene Buch erschien im August 2012 beim Sauerländer-Verlag.
Anne Emmert und Ute Mihr haben es aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.
Es umfasst 432 Seiten und ist im Buchhandel für 16,99 Euro erhältlich.

Die Gestaltung des Buches:

Das Cover des Taschenbuches wurde in metallischem Grau gehalten.
Im Zentrum des Covers sieht man in blutroten Druckbuchstaben den Titel „Vollendet“.
Des Weiteren finden auf dem Cover der Name des Autors und der des Verlages einen Platz.
Auf mich wirkt das Cover wie eine zerkratzte, robuste Metalltür.

In meinem Kopf entsteht dazu folgendes Bild:
Die Metalltür ist die Tür zu dem Ort im so genannten Erntecamp, in dem die Jugendlichen betäubt und um Organe und Körperteile erleichtert werden.
Die blutrote Schrift hat einer von ihnen darauf angebracht, so zusagen als Protest über den Prozess der Umwandlung.
Die Blutspritzer und Kratzer darauf sind stumme Zeugen der Kämpfe, die die Jugendlichen vor ihrer Umwandlung ausgefochten haben, um ihrem grausamen Schicksal und deren Vollstreckern zu entrinnen.
Mir gefällt die Gestaltung des Buches sehr gut.
Sie ist sehr düster und lässt Raum für persönliche Interpretationen.

Außerdem hat sie einen hohen Wiedererkennungswert, da der zweite Band ähnlich gestaltet wurde.

Der Verlag über das Buch:

Deine Umwandlung ist garantiert schmerzfrei.
Jeder Teil deines Körpers lebt weiter.
Sagen sie.
Aber wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand Anderem….
Lebst du dann, oder bist du tot?

Die Geschichte und meine Meinung dazu:

Stellt euch folgendes Szenario vor:
Wir befinden uns in Nordamerika in einer erschreckenderweise nicht allzu fernen Zukunft.
Nach dem zweiten Bürgerkrieg, auch Heartland-Krieg genannt, bei dem sich Abtreibungsgegner und Abtreibungsbefürworter erbittert bekriegt haben, trat die so genannte Charta des Lebens in Kraft.
Diese besagte, dass bis zu seinem 13. Lebensjahr das Leben eines Kindes unantastbar bleibt.
Danach konnte es so zusagen rückwirkend abgetrieben werden.
Ihr werdet sicherlich so wie ich vor Entsetzen innerlich aufschreien, dass das Mord ist, doch in dieser Zeit wurde das nicht so gesehen.
Es gab zu wenige Organspenden und schließlich werden die Organe und Körperteile der Kinder und Jugendlichen ja recycelt und leben als Einzelteile in vielen anderen Menschen weiter.
Diese können nun nach einem Unfall oder einer Krankheit wieder neu anfangen, können sich schöne neue Zähne einsetzen lassen oder gleich ein paar neue Augen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
So weit waren die Medizin und die Technik inzwischen.
Die Kinder und Jugendlichen, deren Organe und Körperteile „umgewandelt“ werden sollen, werden als „Wandler“ bezeichnet und je nachdem in welcher Gesellschaft sie sich befinden, haftet ihnen dieser Titel wie ein Makel an.
Es sind jedoch nicht die „Wandler“, die ihr Schicksal selbst wählen, sondern ihre leiblichen Eltern oder die Waisenhäuser in deren Obhut sie sich befinden.
Die Unterzeichnung eines Formulars in mehrfacher Ausfertigung reicht aus, um die Existenz des ungewollten Kindes rückgängig zu machen.
Wandler wissen bis auf wenige Ausnahmen zunächst nichts von ihrem Schicksal und wenn es vollstreckt werden soll, werden sie mit allen Mitteln von Staat und Gesellschaft an der Flucht gehindert.
Connor, Risa und Lev sind solche Wandler.
Der 16-jährige Connor soll umgewandelt werden, weil seine Eltern mit dem schwierigen Jugendlichen nicht mehr klar kommen.
Dabei ist er wie viele Jüngere und Gleichaltrige einfach nur in der Pubertät und kann zudem schwer seine Gefühle kontrollieren.
Mit etwas Hilfe von Außen hätte er sich vielleicht bessern können.
Nicht auszudenken, was meine Eltern in so einer Situation mit mir gemacht hätten, als ich dem Alter war, wenn das möglich gewesen wäre….
Die 25-jährige Waise Risa fällt staatlichen Kürzungen zum Opfer.
In dem Waisenhaus in dem sie lebt, zählen nur Talente und da immer wieder neue Waisen hinzukommen wird gnadenlos aussortiert.
Ein Exot unter den Wandlern in „Vollendet“ ist der gerade 13 gewordene Lev.
In einer fanatisch-religiösen Gemeinschaft groß geworden, freut er sich als so genanntes Zehntopfer auf seine „Ernte“, was ich am Anfang als ganz schön makaber empfunden habe.
Im Laufe der Geschichte lernte ich Lev und seine bisherige Lebensumwelt jedoch besser kennen und begann zu verstehen, wie man so denken konnte wie er.
In der Konstellation mit Connor und Risa sorgt er immer wieder für Zündstoff, als die drei sich mehr oder weniger freiwillig auf der Flucht befinden.
Die drei verbringen eine kurze Zeit miteinander und verlieren sich dann wieder.
Im Laufe des Buches kreuzen sich ihre Wege immer wieder und führen zu den wildesten Verwicklungen.
Jeder von ihnen verändert sich auf seiner letzten Reise in das so genannte Erntecamp.
Wird Levs Schicksal sich erfüllen?
Können Connor und Risa ihrer Umwandlung entfliehen?
Auf ihrem Weg begegnen sie vielen Menschen.
Wer ist Freund und wer ist Feind?
Wem können sie vertrauen und was hätten sie besser nicht getan?
Und was hat es mit dem geheimnisvollen urbanen Mythos von Humphrey Dunfee auf sich?

Mein Fazit:

„Vollendet“ ist ein Buch, welches mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat, weil es erschreckend real ist.
Es wirft ethische, philosophische und moralische Fragen auf und lässt mich über das aktuelle Thema Organspende nachdenken.
Die Vorstellung, dass Eltern ihre Kinder aus welchen Gründen auch immer, einfach so zur Organ- und Körperteilspende freigeben, finde ich erschreckend.
Ebenso erschreckend finde ich die Vorstellung des Storchens.
In der Zukunft, in welcher „Vollendet“ spielt, gibt es keine Babyklappen mehr.
Wer ein Baby zur Welt bringt und es nicht haben will, legt es einfach bei jemandem vor die Haustüre.
Ihr könnt euch sicher ausmalen, was da alles passieren kann.
Hoffentlich kommt niemand mal auf so eine Idee.
Spannend finde ich die drei sehr verschiedenen Jugendlichen, die Neal Shusterman dem Leser sehr geschickt näher bringt.
In jedem Kapitel erlebte ich als Leserin das Geschehen aus der Sicht von einem der Dreien und lernte so ihren Charakter, ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihr Lebensumfeld und ihre Lebensgeschichte kennen.
Das Ganze wird durch Kapitel abgerundet, in denen Personen, die in der Geschichte eine Nebenrolle spielen, aber entscheidend zu bestimmten Wendungen beitragen zu Wort kommen.
So konnte ich mir als Leserin ein umfassendes Bild von den verschiedenen Situationen machen und dabei verschiedene Perspektiven einnehmen.
Dies hat mir dabei geholfen, die Motive der handelnden Personen besser nachzuvollziehen.
Connor war ein Charakter, den ich persönlich am Liebsten an die Hand genommen hätte, um ihn zu zeigen, wie er sich besser verhalten kann, um sich nicht noch mehr zu schaden.
Er ist mir ziemlich ans Herz gewachsen und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, ohne zu erfahren, was mit ihm passiert.
Risa tat mir anfangs ziemlich Leid, doch dann freute ich mich darüber, dass sie im Laufe des Buches immer autonomer und taffer wurde.
Sie hat viel durchmachen müssen und ich habe das ganze Buch über mit ihr mitgelitten und mitgefiebert.
Lev war mir anfangs unsympathisch.
Ich musste mir vor Augen halten, dass sein Handeln und sein Denken das Resultat einer fehlgeleiteten, fanatisch-religiösen Erziehung sind.
Sein Charakter machte meiner Meinung im Laufe des Buches die größte Wandlung durch und es war spannend für mich, dabei zu sein und zu erleben, wie er sich verändert.
Die vielen Schicksale, die die Wege der Drei kreuzten ließen mich auch nicht kalt und machten mich nachdenklich.
Bei manchen Szenen, zum Beispiel bei einer im so genannten Erntecamp musste ich meine Fantasie ausbremsen, da die Schilderung der Geschehnisse doch ganz schön an die Nieren gehen kann.
Während der Lektüre des Buches fragte ich mich, wie ich handeln würde, wenn ich krank oder verletzt wäre und die Technik und die Medizin so weit wie in „Vollendet“ wären.
Würde ich dann ein Körperteil oder ein Organ von einem anderen Menschen haben wollen, besonders wenn ich wüsste, dass es ihm unter solchen Umständen entnommen wurde?
Oder würde ich lieber meine Krankheit oder Behinderung versuchen mit Würde zu tragen und so lange leben, wie es mir so vergönnt sein würde?
Was ich an dem Buch sehr gelungen finde, ist, dass es verschiedene Seiten aufzeigt, wie zum Beispiel auch die Probleme die es mit sich bringen kann, wenn man ein Spenderorgan hat oder eben ohne eines auskommen möchte.
Es zeigt eine Gesellschaft auf, in der es wie in unserer eine Kluft zwischen arm und reich gibt.
Wer Geld hat, bekommt ein gutes, funktionierendes Organ, wer kein oder wenig Geld, muss sich mit dem zufrieden geben, was er bekommt.
Durch das Einstreuen von Tatsachenberichten aus der realen Welt schafft der Autor eine Brücke zu meiner Lebenswelt, was mich natürlich erst recht nicht kalt gelassen hat.
Gerade weil mir Connor und Risa so ans Herz gewachsen sind und mich die Geschichte der Wandler und ihr Schicksal berührten, konnte ich das spannende Buch kaum aus der Hand legen und las es in jeder freien Minute.
Das Ende war etwas unerwartet, doch es macht mich umso neugieriger auf den Folgeband.
Mit „Vollendet“ ist dem Autor ein erschreckend reales Zukunftsszenario gelungen, welches seinesgleichen sucht und durch eine in sich stimmige Geschichte besticht.
Wer Dystopien mag und den das nicht abschreckt, dem möchte ich das Buch sehr gerne ans Herz legen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Aletheia.




1 Kommentar:

  1. Huhu =) Tolle und sehr ausführliche Rezi. Liegt bei mir noch auf´m Sub, aber sollte ich wohl mal in Angriff nehmen ;-)

    Ganz liebe Grüße
    Katie

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