Sonntag, 12. Januar 2014

Meine Rezension zu "Die Verratenen" von Ursula Poznanski

Die Einleitung:

„Die Verratenen“ habe ich im Rahmen einer Wanderbuchrunde gelesen.
Es ist neben „Fünf“ das zweite Buch, welches ich von der Autorin Ursula Poznanski gelesen habe und ich muss sagen, ihr Schreibstil gefällt mir außerordentlich und ich bin sehr gespannt auf ihre anderen Werke.

Die Autorin:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren, studierte sich einmal quer durch das Angebot der dortigen Universitäten und landete schließlich als Redakteurin bei einem medizinischen Fachverlag.
Nach dem fulminanten Erfolg ihres Jugendromans "Erebos" widmet sie sich nun hauptsächlich dem Schreiben.
Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien.
Mehr zur Autorin : www.ursula-poznanski.at

Fakten zum Buch:

„Die Verratenen“ ist der erste Teil einer Trilogie.
Die gebundene Ausgabe des Buches erschien im Oktober 2012 beim Loewe-Verlag.
Das Buch umfasst 460 Seiten und ist im Buchhandel für 18,95 Euro zu haben.
Das Buch gibt es auch als Taschenbuch und als Hörbuch.

Die Gestaltung des Buches:

Mein Exemplar des Buches kam ohne Schutzumschlag bei mir an.
Die Besitzerin des Wanderbuches hat ihn entfernt, damit er nicht beschädigt wird.
Der eigentliche Schutzumschlag des Buches ist zur Hälfte schwarz und zur Hälfte weiß.
Auf der Oberseite sieht man eine graue Abbildung eines Blattes, welche wie eine Skizze von einem Teil eines Kastanienblattes aussieht.
Darunter stehen auf weißem Hintergrund der Name der Autorin und der Buchtitel.
Die Gestaltung des Schutzumschlages ist meiner Meinung recht unspektakulär, aber einprägsam und erinnert mich an verschiedene Charaktere aus dem Buch, die Pflanzen erforscht oder gezeichnet haben.
Die Einteilung des Covers in die zwei Hälften könnte aber auch den krassen Gegensatz zwischen dem Leben in den Sphären und der Welt außerhalb darstellen.
Der zweite Band der Trilogie hat ein ähnliches Cover, weshalb ich finde, dass die Gestaltung des Buches einen hohen Wiedererkennungswert hat.

Der Verlag über das Buch:

Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert.
Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt.
Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich.
Rias Leben könnte nicht besser sein.
Doch dann wendet sich das Blatt:
Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen.
Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft.
Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt.
Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.
„Die Verratenen“ ist der erste Band einer Trilogie.

Die Geschichte und meine Meinung dazu:

Ohne Vorwarnung katapultiert mich eine Ich-Erzählerin mitten hinein in eine faszinierende Welt voller Gegensätze, die tausende von Jahren nach der Welt, die wir jetzt kennen existiert und mich nicht mehr los lässt.
Das Buch ist aus der Sicht von Eleria, die von allen nur Ria genannt wird geschrieben worden.
Ria lebt in einer hochtechnologischen Welt, in der es nur Kuppeln, die Sphären genannt werden und die Wildnis draußen gibt.
Die junge Frau zählt zu den begabtesten Studenten der Borwin Akademie in der Sphäre Neu-Berlin.
Alle Studenten werden dort je nach Begabung und Leistung auf einer großen Tafel aufgereiht.
Ria ist die Nummer 7 in der Reihung und ihr Freund Aureljo ist die Nummer 1.
Jeder in der Gemeinschaft der Spähren hat eine bestimmte Aufgabe.
Rias Aufgabe ist die Rhetorik und ich finde, sie ist ziemlich gut darin.
Von ihrem Mentor Grauko lernt sie verschiedene Techniken der Kommunikation und Überzeugung, sowie ihre Mimik und ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten.
Ihr Alltag ist ziemlich gut strukturiert und dient dem Wohl der Gemeinschaft.
Zeit für sich selbst bleibt da wenig.
Bisher ist Ria mit dem Leben was sie führt zufrieden.
Sie hat Freunde, lebt an einem gut geschützten und harmonischen Ort, an dem es immer warm ist und hat einen tollen Freund.
Ihre perfekte Welt bekommt Risse, als ihre Freundin Tomma die Nachricht überbringt, dass drei Sphärenbewohner bei einem Einsatz außerhalb der Sphären eines grausamen Todes gestorben sind.
Der Verlust trifft Ria umso stärker, da es sich bei einer der Toten ihre Freundin Lu handelt, doch sie muss funktionieren und das Leben geht weiter.
Sie hinterfragt den Tod der Freundin nicht, bis sie zufällig ein Gespräch zwischen einem Fremden und einer wichtigen Führungsperson innerhalb der Sphäre Neu-Berlin belauscht, in welchem von einer Verschwörung die Rede ist.
Und ausgerechnet sie und fünf andere Studenten, darunter auch Aureljo sollen die Verschwörer sein, deren Tod zur Sicherheit der Sphären beschlossene Sache ist.
Zuerst versucht sie eine logische Erklärung für all das zu finden und das Gehörte zu beschönigen.
Dann knüpft sie Kontakt zu den anderen und weiht sie ein.
Jeder der anderen geht auf seine eigene Weise mit dem Gehörten um.
Doch nichts kann sie darauf vorbereiten, was dann passiert.
Fernab der heilen, geschützten Welt der Sphären kämpft Ria in der Wildnis, die sie nie kennen gelernt hat mit den anderen fünf Studenten ums überleben.
Während einer atemberaubenden Flucht vor den Sentineln der Sphären und den Clans der Prims, jenen unberechenbaren Bewohnern der Wildnis, ist sie nicht nur auf der Suche nach sich selbst, sondern muss mit eiskalter Gewissheit erkennen, dass sie niemandem außer sich selbst trauen kann.

Mein Fazit:

„Die Verratenen“ ist meiner Meinung ein rundum gelungener Auftakt für eine vielversprechende Trilogie, mit welcher die Autorin Ursula Poznanski beweist, dass sie sich nicht auf ein Genre festlegen lässt.
Am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten, mich in der Welt von Ria zurecht zu finden, da die Geschichte einfach mitten drin begann.
Das legte sich aber nach ein paar Seiten recht schnell.
Die Ich-Erzählerin Ria zog mich mitten hinein in ihre Welt.
Spannende Erzählungen von dem Leben in den Sphären und dem Alltag in der Akademie wechselten sich ab mit Gesprächen mit ihrem Mentor Grauko und Aureljo, der sich schwer überzeugen lies.
Schon nach kurzer Zeit wurde ich aus dieser behüteten Normalität heraus gerissen.
Es ging um eine Verschwörung und um einen scheinbar unabwendbaren Tod und ich fieberte mit Ria zu dem Moment hin, an dem die Katastrophe ihren Lauf nehmen sollte.
Die selbstbewusste, prinzipientreue Ria war mir sehr sympathisch geworden und so lag mir ihr Schicksal natürlich sehr am Herzen.
Ich verfolgte atemlos mit, wie sie sich in tödlicher Gefahr befand und um ihr Leben kämpfte.
Es war unsagbar spannend zu lesen, wie die sechs Studenten sich plötzlich mit der Wildnis, in der die sogenannten „Prims“ leben auseinander setzen mussten.
Sie kannten keine Kälte, keinen Hunger, keine Sonne, keinen Regen.
Ihr bisheriges Leben fand fernab von der Natur, den Elementen, Naturkatastrophen und Pflanzen und Tieren statt.
Vieles kannten sie nur aus Büchern und Zeichnungen, daher bedeutete es eine riesige Umstellung für sie, sich in der Welt außerhalb der Sphären zurechtzufinden und darin zu überleben.
Wo würden sie Unterschlupf finden?
Wie würden sie sich Nahrung und Kleidung suchen und wie sich um ihre Gesundheit kümmern?
Bisher gab es da nur ein Med-Center und einen sogenannten „Salvator“, den jeder Spährenbewohner  am Handgelenk trug.
Dieses Gerät war mit dem Med-Center verbunden und machte genau Vorgaben, wie sich die Studenten verhalten und was sie essen sollten.
Nun waren sie mit allem völlig auf sich selbst gestellt und mussten für sich selbst sorgen.
Keinem konnten sie mehr trauen, auch wenn der Gedanke zurück zu kehren und alles richtig zu stellen oder in einer anderen Sphäre Zuflucht zu suchen manchmal ziemlich verlockend erschien.
Schließlich kam es zum Kontakt mit den vermeintlichen Wilden, den „Prims“, den Bewohnern der Wildnis.
Im Zusammentreffen mit ihnen sah sich Ria nun damit konfrontiert, dass alles, woran sie bisher geglaubt hatte, eine Lüge war.
Die Sicherheit der Sphären war eine Täuschung und das ganze System dahinter nur eine grausame Lüge.
Besonders der naiven Biologin Tomma fiel es schwer, damit klar zu kommen.
Jeder der anderen Studenten verarbeitete die neuen Informationen anders und Ria ist verzweifelt auf der Suche nach Verbündeten.
Die Handlung strotzt nur so vor Spannung und Tempo, der Schreibstil ist detailreich und lässt in meinem Kopf zahlreiche Bilder entstehen.
Die Studenten müssen sich an die ihnen unbekannte Welt voller Gefahren und deren Bewohner anpassen, weiterleben, kämpfen, richtige Entscheidungen treffen und erkennen, dass die Welt die sie kannten nicht so ist wie sie dachten.
Einer der Studenten ist ein Verräter und für Ria beginnt die nervenaufreibende Suche nach ihm.
Ist es die naive Biologin Tomma, die mit der neuen Situation nur schwer zurecht kommt oder das verträumte Zeichentalent Dantorian?
Ist es Flemming, der über hervorragende medizinische Kenntnisse verfügt oder der Technikfreak Tycho?
Was, wenn es Aureljo ist?
Ihr Freund, dem sie bisher in allen Lebenslagen vertraut hat und der ihr etwas zu verheimlichen scheint.
Seite um Seite war ich mir nie sicher, wer Ria und die anderen verraten würde.
So ziemlich jeder konnte es sein und jeder hätte ein Motiv gehabt.
Ich litt und zweifelte mit Ria mit und stellte es mir furchtbar vor allein in einer fremden Welt zu sein, weil man nicht einmal den Seinen vertrauen kann.
Die letztendliche Auflösung, wer der Verräter ist, hat mich ziemlich erstaunt und ich habe das Gefühl, dass er nicht der Einzige ist, der ein Geheimnis hat.
Die Autorin hat ein großes Talent die Mimik und Gestik von Personen zu beschreiben.
Dadurch konnte ich mich noch besser in die Handlung und die vielseitigen Charaktere, die sie geschaffen hat hineinversetzen.
Rias Talente der Kommunikation, der Beherrschung von Mimik und Gestik sowie das Erkennen von Absichten und Emotionen anderer waren ihr im Kontakt mit den „Prims“ sehr nützlich.
Die „Prims“ sind ein Volk, die mir sympathischer sind als die Sphärenbewohner, wobei ich zu deren Schutz sagen muss, dass sie es teilweise einfach nicht besser wussten oder kennengelernt haben.
Der Kontrast zwischen der Welt der Prims und Sphärenbewohnern ist gigantisch.
Die Sphärenbewohner leben in einer beschützten Welt, die sie nährt und fördert und sind im Besitz modernster Technologie.
Jeder ihrer seltsamen Namen hat eine besondere Bedeutung und bleibt in Erinnerung.
Die Bewohner der Sphären wurden entweder im Reagenzglas gezeugt oder als Findelkinder aufgenommen.
Die Prims hingegen müssen sozusagen back to the roots.
In einer kargen Umgebung voller Kälte, wilden Tieren, anderen plündernden und mordenden Clans versuchen sie die Welt wieder lebenswert und bewohnbar zu machen und kämpfen um das nackte Überleben.
Bei ihnen gibt es noch Familien und einzelne Gruppen, die sich zu einer großen Gemeinschaft zusammenfügen.
Ihre Zusammenkünfte und Gesellschaftsstrukturen erinnern mich an nordische Völker.
Das Ende des Buches lässt vieles offen und ich kann es kaum erwarten, den zweiten Band der Trilogie zu lesen.
Mit „Die Verratenen“ hat Ursula Poznanski eine faszinierende Dystopie in einer facettenreichen Welt geschaffen, in welcher ein sympathischer Charakter ums überleben kämpft und sich weiterentwickelt.
Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Verrat, gepaart mit dem nackten Überleben sind der Stoff für eine Geschichte, die man nicht aus der Hand legen kann und die ich euch wärmstens ans Herz legen möchte.


Viel Spaß beim Lesen wünscht Aletheia



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